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«Das ist wie beim Gebrauchtwagenmarkt, die schön polierten gehen zuerst weg.»

Ein super Artikel, den die FR da mal wieder von der dpa kopiert hat: „Ewig lockt das Weib – aber wie am besten?“ so heißt der Quatsch und ist wortgleich in der „Märkischen Allgemeinen“, der „Recklinghäuser Zeitung“, der „Saarbrücker Zeitung“ und diversen anderen Publikationen zu finden (Qualitätsjournalismus eben…).
Der Inhalt ist nichts neues, nämlich dass Männer aus Instinkt möglichst gebärfreudige Frauen bevorzugen würden, weshalb die nur die Brüste rausstrecken und lächeln müssten (was auch immer das Lächeln mit Gebärfähigkeit zu tun haben soll…) um einen Typen abzubekommen. Biologistischer Blödsinn, wie allseits bekannt. Besonders groß aber das Zitat der „Expertin“ Judith Alwin, die Frauen offensichtlich auch mal mit Gebrauchtwagen vergleicht: „Will man die Aufmerksamkeit der Männer erregen, dann muss man auch was für sich tun, betont Alwin: ‚Das ist wie beim Gebrauchtwagenmarkt, die schön polierten gehen zuerst weg.‘“
Die Welt hat offensichtlich von der selben dpa-Meldung abgeschrieben, aber entweder hat die FR gekürzt oder die Welt hinzugefügt, jedenfalls finden sich hier noch mehr Schmankerl. So behauptet eine Frau Ebberfeld: „Frauen tippeln mehr, und kleine Schritte bedeuten Jugendlichkeit“. Durchschnittliche heterosexuelle Männer scheinen also, wenn man Frau Ebberfeld folgt, auf kleine Mädchen zu stehen, deren Längenwachstum nicht abgeschlossen ist. Da spricht eine „Expertin“, das ist kaum zu übersehen.
Bravo FR, Welt und alle anderen, die mal wieder zu faul waren selbst zu recherchieren! Das ist investigativer Wissenschaftsjournalismus!
Quelle: hxxp://www.fr-online.de/wissenschaft/ewig-lockt-das-weib---aber-wie-am-besten-/-/1472788/4547498/-/index.html

Ein amüsanter Fetisch…

Die regelmäßige CSI-Lektüre bringt immer wieder interessantes hervor. Diesen Fetisch kannte ich wirklich noch nicht: Menschen, die auf antropomorphe Tiere stehen und sich deshalb als Tiere verkleiden.
Z.B. auf http://www.darknatasha.com/gallery/adult lässt sich einiges an Bildern zum Thema bewundern. Wirklich interessant. Besonders beeindruckend fand ich ja das onanierende Zebra:
Zebra - onanierend
Das ist doch mal ein sympathischer Fetisch (auch wenns nicht so meins ist…).

Ach und Weh – der Weltschmerz des Antideutschen Allwissenden

Ich habe mich nach langer bloggerischer Untätigkeit dann nach der Lektüre dieses Geschwafels wieder mal zu einem Kommentar hinreißen lassen.

Es fäng an beim „leicht abgeänderten Zitat“. Nicht leicht abgeändert, zerhackt und völlig am ursprünglichen Inhalt vorbei wurde es bearbeitet. Das Originalzitat, nur als Vergleich, lautet:
„Ohne große Gefahr, uns zu irren, können wir behaupten, daß der Student in Frankreich nach dem Polizisten und dem Priester das am weitesten verachtete Wesen ist. Wenn auch die Gründe fur seine Verachtung oft falsche sind, die aus der herrschenden Ideologie stammen, sind die Gründe dafür, daß er vom Standpunkt der revolutionären Kritik aus wirklich verachtungswürdig ist und verachtet wird, verdrängt und uneingestanden.“
Die ursprüngliche Bezugnahme auf die falsche Kritik wird entfernt, dabei ist sie doch ein maßgeblicher Hinweis und gerade im Bezug auf Deutschland um so dringlicher geboten, ist doch der Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Antiintellektualismus nicht erst seit gestern bekannt. Der Student ist keineswegs beliebt, erst Recht nicht in Deutschland. Der ewige Kritikaster, den sich der Deutsche in seiner volksdummen Ideologie zurecht spinnt, ist der allseitig gerne kritisierte Student. „Geht erstmal arbeiten!“ so schallt es den Demonstrant_innen auf Demos der Studierendenschaft gerne entgegen. „Früher hätte es sowas nicht gegeben“ und „Arbeitslager“ denkt sich der Rufende dabei, wagt sich aber nicht es auszusprechen.
Ohne jeden Bezug zur Einleitung geht es weiter und angeblich „ums Ganze“. In Anführungszeichen ist ums Ganze gesetzt, es ist also wohl das gleichnamige Bündnis gemeint. Was nun die FAU Kassel, die Anarchistische Gruppe Freiburg, das Bildungsstreik Bündnis Freiburg oder die Antifa Idar-Oberstein in den Rang des „UmsGanze!“ Bündnisses (so schreibt es sich nämlich) erhebt, das muss unverständlich bleiben. Es hat schließlich auch nichts miteinander zu tun, außer dass die Antifa [F] neben einer Hand voll anderer Gruppen im „sozialrevolutionären Bündnis Frankfurt“ vertreten ist, welches auch den Aufruf unterzeichnet hat. Aber natürlich weiß der Autor im Hinterkopf, dass es die Antifa [F] geschafft hat, die Unterzeichner_innen zu blenden, ihnen die „UmsGanze!“ Ideologie einzuimpfen, die Strippen im Bildungsstreik zieht. Eine absurde Verschwörungstheorie vielleicht, aber kaum überraschend für alle, die den Zustand der antideutschen Szene in Frankfurt kennen.
Kritisiert werden Banalitäten: Die Begrifflichkeit „auf die Straße gehen“, die eine blumige Formulierung fürs Demonsrieren ist Demonstrieren, was zweifellos „auf der Straße“ passiert, wird umgebogen zu einer Metapher für den Weg in eine bestimmte politische Richtung.
Und wenn es dann doch endlich um Inhalte geht, versagt der Text, oder besser: deren Autor_in. Teils weil sie es nicht schafft die Positionen des Protests adäquat zu bestimmen, teils weil er die linksradikalen Teile des Protests nicht zu lesen weiß. Und so wird die Ansage des „Wir lassen uns nicht spalten!“, die keine Halluzination sondern Erfahrung aus den Ereignissen der letzten Wochen, aus Pressemitteilungen des AStA, der Unterstützung der Kriminalisierten durch alle Studierenden und den Äußerungen vieler (wenn auch zweifellos nicht aller) Fachschaften ist, zum Ausdruck einer angeblichen Realitätsverweigerung vor realen Spaltungen. Die Ablehnung der Sachbeschädigungen und Plünderungen im Casino durch diese Gruppen wird unterstellt, sie geschehe aus Abgrenzung zu den Randalier_innen. In der Tat: es handelt sich um eine Abgrenzung, aber diese führt nicht dazu, dass nicht weiterhin das gemeinsame Ziel (s. Aufruf) verfolgt werden kann.
Völlig haltlose Unterstellungen wechseln sich mit „vermeintlich“ polemischen Nebensätzen. So wollen sich die Organisator_innen angeblich an die Spitze des Protests stellen, revolutionäre Avantgarde werden gewissermaßen. Wieder scheint der irre Verschwörungswahn durch, nachdem, im kleinen Universum der Autor_in, dass sich auf die Linke zu begrenzen scheint, die Antifas und dunkel angezogenen, „gesichtslose[n] Student[_innen]“ die Strippen im Hintergrund ziehen. Die bloße Tatsache, dass die Proteste in Frankfurt stattgefunden haben und im Mobilisierungsvideo gezeigt werden, wird zum Beweis, dass hier die „Symbolik des Kapitals, die hellbeleuchteten Skyscrapers der Finanzwelt“ Feindbild der Demonstrierenden sei. So gibt es bei der Autor_in keine Satire mehr, nur noch vermeintliche Satire, die noch dazu humorlos sei. Die geschmäcklerische Einschätzung des/r Autor_in soll zum Maßstab der Beurteilung des Protests werden.
Im abschließenden Absatz gibt der/die Autor_in noch einmal die volle Breitsalve des eigenen Unwissens preis. So wird das Motto der Demo gerne nochmal um ein Wörtchen erweitert. Da gehört die Uni auf einmal nicht mehr allen, sondern „uns allen“. Wo der Aufruf nicht das Kollektiv beschwört, da muss es sich der/die Autor_in dazulügen. Was hier entsetzt ist die Begriffslosigkeit. Da wird das Wort „gehört“ zu einer Anzeige der Eigentümerschaft an einer Ware. Dass der Besitz etwas anderes als das Eigentum ist, das hätte dem/r Autor_in selbst ein politisch desinteressierter Jura-Student sagen könne. Aber soweit zu denken ist anstrengend, es erfordert Arbeit am Begriff, am theoretischen Material. Diese kann nicht aufgebracht werden, wenn die Zeit damit totgeschlagen wird sich das eigene Elend durch den Distinktionsgewinn via Zynismus und der Haltung des tragischen Alwissenden erträglicher zu machen.
Doch zurück zur Begrifflosigkeit: Radikale Demokratisierung wird zur direkten Demokratie, Demokratie zur Mehrheitsherrschaft, in völliger Ignoranz der gängigen aktuellen Demokratietheorie. Dass es bei dem Begriff Demokratie nicht ums Abstimmen geht, ist Binsenweisheit. Und dass „radikale Demokratisierung“ eine Tendenz bezeichnet und keineswegs eine idealistischen Zustand dürfte am Wort offensichtlich sein. Dass bürgerliche Demokratie die Verwaltungsform des Kapitalismus ist, verleitet die Autor_in zu der Annahme, Demokratie sei als Konzept nicht umstritten und immer untrennbar mit dem Kapitalismus verknüpft. Dass die Idee jeden oder jede den/die es betrifft in gesellschaftliche Entscheidungsfindungen einzubeziehen, was der Grundgedanke der Demokratie ist, schlecht sein soll, kann die Autor_in des Textes natürlich gerne behaupten. Progressiv ist das aber ganz sicher nicht. Wie der Text, der einen Aufruf kritisiert, der zwar zu kritisieren wäre, aber ganz sicher nicht so.

Punk soll wieder alles dürfen!

Dieser Flyer wurde übrigens vor einigen Wochen von „Einem(!) aus dem Plenum des Exzess“ auf einem Konzert der Band Amen 81 verteilt (deren wirklich schlaue Inhalte ich ohne diesen Flyer nie verstanden hätte, das hat mir bei der normalen Punk-Akustik schon immer Probleme bereitet…). Ich lasse das mal unkommentiert, da kann sich ja jeder seinen Teil zu denken.

Punk soll wieder alles dürfen?!

Nein! Zu Recht gibt es kein Einverständnis mit rassistisch konnotierten Begriffen, frauenverachtenden Textstellen oder homophobem Geprotze in Songs, die in Läden gespielt werden, denen der Anspruch auf emanzipatorische Subkultur noch Ernst ist.
Wie kann es da sein, dass totalitarismustheoretischer Dreck, wie das Lied „Das Palituch“ der Band AMEN 81 gespielt werden kann?
In „Das Palituch“ dichtet der Schreiber, der alle Träger dieses Tuchs für hirnlos halten zu können glaubt:

„Ob rechts ob links ist scheissegal
Hauptsache gegen Zion
Anti-Imperial“

und weiter:

„Rechts und Links geben sich die Hand
Im Partnerlook marschieren
Die Reihen Rot und Braun
Sind alle wieder fest geschlossen
Zionismus euer Hauptfeind
Ihr bekämpft ihn unverdrossen“

Über derlei Analogien freut sich die Reaktion und die kritische Gesellschaftswissenschaft fragt: Wann seit dem Auftreten der ersten braunen Reihen, sollen denn alle Rot und Braun fest geschlossen gewesen sein? Und welches Rot und Braun, bzw. Links und Rechts, soll heute „wieder“ so stehen.
Demagogisch ist die Lüge, dass heute der Zionismus für Rot-Links der „Hauptfeind“ sei.
Manipulativ wird verschwiegen, dass es historisch sowohl ein Rot im Zionismus gab, als auch nicht immer für Braun Zionismus der Hauptfeind war.
Bleibt die Frage wo denn der Schreiber dieses Songtextes steht. Wenn nicht links, dann jedenfalls im Exzess falsch.
Die Auseinandersetzung um das Palituch bleibt ein Paradebeispiel für antideutsche Ideologieproduktion. Weder die Berichte über den antisemitischen Großmufti von Jerusalem, noch die Verbindung zu Arafat oder die Denunziation der ’68er machen dieses Tuch zum Symbol des Antisemitismus. Hier gibt es außer einfachen Setzungen keinen kausalen Zusammenhang. Eine kritische Beschäftigung mit dem historischen Material jenseits von „glauben wollen“ löst diesen Unsinn schnell auf.

„Races High“ bejubelt die Bombenangriffe des Royal Air Force Air Marschal Arthur Harris, der von der RAF selbst als Butcher-Harris bezeichnet wurde, nicht etwa wegen seiner Flächenbombardierungen, sondern weil nur ein Drittel seiner Piloten bei den Bomberangriffen ohne Jägerbegleitung ihr Ziel erreichten. Die emanzipatorische Größe des Metzgers-Harris zeigte sich schon früher in seiner Kolonialmilitärslaufbahn:
„In 1936 Harris commented on the Palestinian Arab revolt ‚one 250 lb. Or 500 lb. Bomb in each village that speaks out of turn‘ would satisfactorily solve the problem.“ (en.wikipedia.org)

„thank you arthur well well done
mach doch noch ein feuer an“
„oh – please – come and -
visit them again“

Diese Textstelle geht über die Legitimierung des historisch Geschehenen hinaus und fordert auch für heute die Eliminierung von Menschen. Die Menschenverachtung, die nicht nur aus den Zeilen dieses extes spricht (vgl. „Der Hool“), hat mit Punkrock-Provokation nichts zu tun.
Für Punk bleibt bei allem Machtfetisch die Parole von Crass der Minimalkonsens: „Destroy Power – not people“

Die Erklärung im Exzess-Plenum, dass Menschenverachtung kein Kriterium für die Absage an die Band sei, ist ein Armutszeugnis.
Die Bereitschaft eine Veranstaltung durchzuführen, in deren Rahmen die genannten Songs gegrölt und von genau dazu gekommenem Publikum beklatscht werden, ist erbärmlich.

Einer aus dem Plenum des Exzess

Kleiner Hinweis am Rande. Der Songtext vom erwähnten Lied „Der Hool“ geht so:

„Bitterböser Ärgermacher
Hier statt Angst von mir ’nen Lacher
Mitten hinein in dein gefährliches Gesicht
Hundert Kilo aufgepumpt, du bist un bleibst ein armer Wicht
Ich zieh deinen Stöpsel und lass‘ dir die Luft raus
Langsam wird’s mir hier zu bunt
Erst spreng‘ ich dich und dann deinen Kampfhund
Mein kleines Grabenhündchen mach dir hierauf keinen Reim
Sei tapfer nicht traurig – du kommst in ein Heim
ich zieh deinen Stöpsel und lass´dir die Luft raus
Langsam wird’s mir hier zu bunt
Erst spreng‘ ich dich und dann deinen Kampfhund
Ein Schriftzug in Altdeutsch und schon kann es losgeh‘n
Jede Windung in deinem Kopf tut seit Jahren stillstehn‘
Was seid ihr für `ne dufte Meute
Ich hoff´ihr kriegt Krebs und sterbt statt morgen heute
Ihr seid so männlich und so stark
Buddelt euch ein, ihr braucht keinen Sarg“

Mit Benes Dekreten gegen Nazi-Sudeten

Das Geplärr der Sudentendeutschen Verlierertruppe ist in den letzten Tagen kaum zu überhören. Kein_e wichtige_r Politiker_in aus dem Lager der CDU/CSU lässt es sich nehmen den Volks- und Brauchtumsspinnern seine/ihre Aufwartung zu machen.
Besonders unverschämt spielt sich dabei ein gewisser Franz Pany, Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, auf. So kritisiert er allen Ernstes den tschechischen Präsidenten Vaclav Havel für sein „Festhalten an den Benes-Dekreten“ (tagesschau.de).
Die Benes-Dekrete, daran sei erinnert, sind Resultat der deutsche Okkupation Tschechiens. In ihrer Existenz erinnern sie an die deutschen Verbrechen der NS-Zeit. Dass dies einem Vertriebenenverband wie der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die beharrlich versuchen die deutschen Vertriebenen mit den Millionen Opfern des Nationalsozialismus gleichzustezen, nicht passt, ergibt Sinn, macht die Vertriebenenverbände aber natürlich kein Stück sympathischer.

Für weitere Informationen zur Rede vonPany:
http://www.tagesschau.de/inland/sudetentag104.html

Für weitere Informationen zum Themenkomplex „Vertriebene“:
Samuel Salzborn – Die Beneš-Dekrete und die EU-Osterweiterung
Erich Später – Kein Frieden mit Tschechien

„Diesmal wurde es uns zu viel…“

Folgender Artikel erschien am 14. Mai auf fr-online.de:

„Randale mit Vorgeschichte
Nach den Auseinandersetzungen vor dem Bürgerhaus erheben Jugendliche Vorwürfe
VON GEORG LEPPERT

Der Liedtext spricht für sich: „Frankfurt am Main 65934, das ist Nied, für euch ist das die Hölle hier… Wenn du in Nied bist, versuch lieber keinen Stress zu schieben, Gewalt, Kriminalität, es gibt viele Verrückte hier, die diese Scheiße hier lieben… Unsere Energie fließt auf den Straßen, wir sind alle Psychopathen, mit uns ist nicht zu spaßen.“

Die Zeilen des Rappers Eko Fresh hat FR-Leser Norbert Hinz aus Nied im Internet gefunden. Wochenlang habe man bei Google nur die Begriffe „Frankfurt“ und „Nied“ eingeben müssen, um auf den Liedtext zu stoßen. Dass der Gewaltausbruch von 40 Jugendlichen, die in der Nacht zum Sonntag vor dem Bürgerhaus an der Luthmerstraße Polizisten angegriffen haben, wirklich so unerklärlich ist, wie Politiker Anfang der Woche behaupteten, bezweifelt Hinz deshalb.

Die Polizei hat jedenfalls keine neuen Ansätze für Ermittlungen gefunden. Wieso die teils alkoholisierten Jugendlichen plötzlich bei einer Kontrolle auf die Beamten losgingen, sei nach wie vor unklar, sagte Behördensprecher Manfred Füllhardt am Mittwoch. Die Polizei hatte die Randale am Wochenende erst mit dem Einsatz von Pfefferspray beenden können. Die Beamten stellten die Personalien von 13 Jugendlichen fest. Einer wurde vorübergehend in die Psychiatrie eingewiesen. Er hatte ein Messer gezogen und damit gedroht, sich umzubringen, wenn die Polizei ihn festnehmen sollte.

Regelmäßige Kontrollen

Unterdessen meldeten sich bei der FR Jugendliche, die an der Auseinandersetzung beteiligt waren. Regelmäßig träfen sie sich vor dem Bürgerhaus, ohne dort irgendwelche Straftaten zu begehen, sagten sie. Eine Darstellung, die Anwohner bestätigen.

Immer wieder würden seine Freunde und er von der Polizei kontrolliert, sagte ein junger Mann. Die Personenkontrollen empfinde er als „menschenverachtend“. Das habe er auch den Beamten erklärt, aber nur Hohn und Spott geerntet. Am späten Samstagabend sei eine Polizeikontrolle eskaliert. „Wir wollten diesmal nicht einfach nach Hause und unsere Wunden lecken, diesmal wurde es uns zu viel“, sagte der Mann. Auch in Zukunft würden sich seine Freunde und er gegen Polizeikontrollen wehren, kündigte er an.

Polizeisprecher Füllhardt wollte die Vorwürfe nicht kommentieren. Von Auseinandersetzungen zwischen seinen Kollegen und den Jugendlichen vor dem Wochenende sei ihm nichts bekannt.“

Dass rassistische Kontrollen auf Dauer Gegenwehr zur Folge haben ist natürlich völlig unerklärlich.

„Short Dick Man“

War ja alles in allem sehr nett auf der Party der Antifa Bell gestern. Dennoch gibt es da einen Zwischenfall, der mich ziemlich angekotzt hat. Dabei handelt es sich um ein Lied, das der DJ gespielt hat. Den Track höre ich nicht das erste Mal auf einer linken Party, deshalb jetzt auch mal ein öffentliches Statement dazu. Eventuell schafft das ja zumindest bei manchen ein Bewusstsein, dass mensch als DJ nicht einfach alles auflegen kann, was gerade so ins Set passt.
Gespielt wurde der Track so zwischen 3 und 4 Uhr morgens, leider habe ich nicht herausfinden können, welcher DJ gerade aufgelegt hat. Titel des Liedes von „20 Fingers“ ist „Short Dick Man“. Nur zur Vorwarnung: So reaktionär wie der Titel anmutet ist das Lied auch. Im folgenden der Liedtext und eine Übersetzung der Zeilen im Anschluss:

Ah, ah
Ah, ah
Ah, ah, Ah, ah
Ah, ah
Ah, ah
Ah, ah, Ah, ah
Don‘t want no short dick man
Don‘t want no short dick man
Don‘t want no short dick man
Don‘t want no short dick man
Don‘t, don‘t, don‘t, don‘t, don‘t, don‘t
Don‘t, don‘t, don‘t, don‘t
Don‘t want, don‘t want, don‘t want, don‘t want
Don‘t want no short dick man
Don‘t want no short dick man
Iny weeny teeny weeny
Shriveled little short dick man
Don‘t want,Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want,Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want,Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want,Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want,Don‘t want,Don‘t want,
What in the world is that thing?
Do you need some tweezers to put that thing away
That has got to be the smallest dick
I‘ve ever seen in my whole life
I have ever seen in my whole life
Get the fuck outta here
Iny weeny teeny weeny
Shriveled little short dick man
Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want
Don‘t want
Don‘t want
Don‘t want
Don‘t want
Uh! Uh! Uh!
Uh! Uh! Uh!
Uh! Uh! Uh! Uh! Uh! Uh!
Uh! Uh! Uh!
Isn‘t that cute an extra belly button
You need to put your pants back on honey
Don‘t, don‘t, don‘t, don‘t, don‘t, don‘t
Don‘t, don‘t, don‘t, don‘t
Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want,Don‘t want,
Don‘t want no short dick man
Don‘t want no short dick man
Iny wee(x15)
Iny weeny teeny weeny
Shriveled little short dick man
Pobre, pobrecito
Que diablo eso
Pobre, pobreci, pobre procito
Que, que, que, que, que diablo eso
Don‘t (X36)

Don‘t want no short dick man – Ich will keinen Mann mit einem kleinen Schwanz
Shriveled little short dick man – Mann mit einem verschrumpelten, kleinen Schwanz
What in the world is that thing? – Was um alles in der Welt ist das?
Do you need some tweezers to put that thing away – Brauchst du eine Pinzette um das Ding wegzustecken?
That has got to be the smallest dick – Das muss der kleinste Schwanz sein
I‘ve ever seen in my whole life – den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe
Get the fuck outta here – Verpiss dich!
Isn‘t that cute an extra belly button – Wie süß, ein zweiter Bauchnabel
You need to put your pants back on honey – Zieh deine Hosen, wieder an Schatz

Eigentlich braucht mensch dazu nicht mehr viel zu sagen. In diesem Stück kommt so derart prägnant zum Ausdruck wie Heteronormativität als Zwangssystem funktioniert, dass es nur so scheppert. Hintergrund der Situation ist offensichtlich, dass die Sängerin des Liedes mit einem Typen Sex haben will. Doch als er sich auszieht findet sie heraus, dass ihr sein Penis zu klein ist. Die Reaktion kommt prompt: „Get the fuck outta here!“ (garniert mit einer Tirade an Hänseleien gegen den Mann mit dem zu kurzen Schwanz) Für die Sängerin ist offensichtlich klar: Spaß im Bett kann sie nur mit einem Mann (mit einer Frau schonmal sowieso nicht) mit großem Schwanz haben.
Wer Stimmungshits wie „Zwanzig Zentimeter, nie im Leben kleiner Peter“ schon zum Kotzen fand, dem wird hier erst recht übel. Wird in „Zwanzig Zentimeter“ zumindest noch konstatiert „In der Kürze liegt die Würze, doch ich mag es lang und dick“, was zumindest klarmacht, dass es sich hier um einen privaten Geschmack der Sängerin handelt, ist der Anspruch bei „Short Dick Man“ absolut. Wer keinen langen Schwanz hat ist kein richtiger Mann und zum sexuellen Abschuss freigegeben.
Während bei einem Lied, in dem ein Typ darüber rappt, dass eine Frau ihm zu kleine Brüste zum Ficken hat und sie deshalb verarscht und nach Hause schickt, direkt zum Skandal auf einer solchen Party führen würde, ist es umgekehrt anscheinend kein Problem. Zwar handelt es sich hier auf den ersten Blick um etwas ganz anderes, weil Frauen unter wesentlich mehr heterosexistischer Diskriminierung zu leiden haben als Männer. Letzten Endes ist es aber dasselbe Prinzip, nur konsequent fortgeführt. Der vergeschlechtlichte Idealkörper wird mit einer derart massiven sprachlichen Gewalt eingefordert, dass die Kotze beim minimal reflektierten Individuum schon den Hals hochkriecht.
Solche Lieder hören in der Regel Menschen, die immer noch ernsthaft glauben, dass Geschlechter biologische Tatsachen sind, die Penetration der Frau durch den Mann die einzig mögliche Form des Sex ist (denn warum sollte die Penisgröße sonst Relevanz haben) und dass die Qualität des Sex sich an der Größe des Penis bemisst; kurzum: die spießige, konservative und reaktionäre Mehrheitsgesellschaft.
Was das auf einer Antifa-Party zu suchen hat, bleibt das Geheimnis des DJs. Aber: „Unser Spaß sieht anders aus!“ (Egotronic)

Ergänzung: In einem anderen Lied der selben Band wird übrigens auch nochmal das lookistische Klischee ausgepackt. In „mr. personality“ beschimpft die Sängerin einen hässlichen Mann, der „Mr. Personality“ genannt wird. Der Aussage, dass es auf den Charakter einer Person ankomme, widerspricht die Sängerin hier: es kommt eben nur auf den Körper an und wenn der nicht den gängigen Schönheitsnormen entspricht (großer Schwanz kantiges Kinn, ausgeprägte Muskulatur, usw.), dann hat sie für den ensprechenden Mann eben nur Verachtung übrig. Eklig sowas.

I take drugs and get drunk!

„How’s buiseness that morning?“
„Pretty good!“

Videocollage zum 1. Mai

Hier eine kleine Videocollage, die ich anlässlich des 1. Mai in Mainz gemacht habe.

„Eine kleine Videocollage von mir. Gezeigt werden Szenen aus dem Trailer von Inglorious Bastards, der den Kampf einer jüdisch-amerikanischen Einheit hinter den feindlichen Linien darstellt. In Zusammenhang werden diese Szenen zu dem diesjährigen Naziaufmarsch in Mainz am Rhein.
Die Collage soll natürlich nicht dazu aufrufen in derselben Art und Weise Terror zu verbreiten wie es die Einheit „Inglorious Bastards“ tat. Es soll bloß daran erinnert werden, dass in der damaligen geschichtlichen Lage notwendig war dies zu tun. Um die Wiederholung dieser Geschichte zu verhindern, sollte jede_r Antifaschist_in am 1. Mai gegen Nazis auf die Straße gehen. Keinen Centimeter für Neonazis!“ (Beschreibung bei youtube)

Samy Deluxe und so

Jetzt läuft ja schon länger die Diskussion über Samy Deluxe neue Begeisterung für Heimat und Nation.
Deswegen auch nicht soviel dazu, eigentlich nur ein Hinweis auf ein Statement des Vice-Magazines zum Thema, was nicht mehr zu diesem Mist sagt, als es zu sagen gibt:

„DEUTSCHLAND, BITTE HALT DEIN MAUL

Samy Deluxe rappt in seiner neuen Single für mehr Nationalstolz. Wir beten für mehr Klugheit und Bildung…

„Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.“

Diese Zeilen stammen von Heinrich Heine, sie sind zeitlos wahrhaftig und von Schönheit durchdrungen. Doch leider leben wir in Zeiten in denen niemand mehr vom Kuss der Muse erweckt werden will, sondern davon träumt mithilfe schlimmster Rap-Reime von Bitches und Hoes gevögelt zu werden.
Klar, Samy Deluxe hatte eine schwere Kindheit, die Story von seinem Vater und seiner Dope-Abhängigkeit haben wir schon tausendmal gehört. Damit kann man ja vieles relativieren, doch dass er die Schule vor seinem Hauptschulabschluss abbrach um sich auf die Suche nach dem goldenen Vlies des Bling-Bling zu machen, dass kann man ihm niemals wieder Verzeihen. Denn durch Dummheit und Unwissenheit entstand seine neue Single „Dis is wo ich herkomm“ mit plattester, deutschtümelnder Poesie.
Gott sei Dank stehen schon die nächsten Nachwuchspoeten in den Startlöchern, um Samy bald den Rang abzulaufen:“

Das darauf folgende Videoschmankerl von einem jungen Nachwuchsrapper, der anscheinend ja auch aus Frankfurt kommt, darf natürlich niemandem vorenthalten werden:

Und, um eines der Kommentare aus der Diskussion auf der vice-Seite zu zitieren:
„warum soll ich darauf stolz sein, WO meine eltern gevögelt haben?“